machen, indem man Sprachkompetenz in ihre einzelnen Komponenten aufgliedert. Kommunikation nimmt den Menschen als ganzen in Anspruch. Die Kompetenzen, die im Folgenden getrennt behandelt und klassifiziert werden, interagieren auf komplexe Weise bei der Entwicklung jedes einzelnen Menschen. In einem interkulturellen Ansatz ist es ein zentrales Ziel fremdsprachlicher Bildung, eine günstige Entwicklung der gesamten Persönlichkeit des Lernenden und seines Identitätsgefühls als Reaktion auf die bereichernde Erfahrung des Andersseins anderer Sprachen und Kulturen zu fördern. Man muss es den Lehrenden und den Lernenden selbst überlassen, die vielen Teile wieder in ein sich abgerundet entwickelndes Ganzes zu integrieren.
Der Referenzrahmen schließt die Beschreibung von Teilqualifikationen mit ein, die ausreichen, wenn nur eine eher begrenzte Kenntnis der Sprache gefordert wird (z. B. das Verstehen einer Sprache, nicht aber das Sprechen), oder wenn nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht, um eine zweite oder dritte Sprache zu lernen. Dabei kann man vielleicht bestimmte Ergebnisse erzielen.
2 Warum brauchen wir einen Gemeinsamen Referenzrahmen?
Diese Frage wurde von den Wissenschaftlern im Symposium in Rüschlikon beantwortet, das auf Initiative der Schweizer Bundesregierung im November 1991 unter dem Thema 'Transparenz und Kohärenz im Sprachenlernen in Europa: Ziele, Evaluation, Zertifizierung' stattgefunden hat.
Es ist notwendig, das Sprachenlernen und den Sprachunterricht im Interesse einer verstärkten Mobilität, einer effektiveren internationalen Kommunikation weiter zu intensivieren, gemeinsam mit der Achtung von Identität und kultureller Vielfalt, mit einem besseren Zugang zu Informationen, mit intensiverer Interaktion zwischen den Menschen, mit verbesserten Arbeitsbeziehungen und einem tieferen gegenseitigen Verstehen. Um diese Ziele zu erreichen, muss Sprachenlernen eine lebenslange Aufgabe sein, die in allen Bereichen des Bildungssystems gefördert und unterstützt werden muss, vom Kindergarten bis hin zur Erwachsenenbildung.
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Es ist darum notwendig, einen Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für das Sprachenlernen auf allen Ebenen zu entwickeln, um
а) die Kooperation zwischen den Bildungseinrichtungen in den verschiedenen Ländern zu fördern und zu erleichtern,
б) die gegenseitige Anerkennung der sprachlichen Qualifikationen auf eine solide Basis zu stellen,
в) Lernende und Lehrende, Leiter von Sprachkursen zu unterstützen. Mehrsprachigkeit muss im Kontext verschiedener Kulteren gesehen werden.
Sprache ist nicht nur ein besonders wichtiger Aspekt einer Kultur, sondern auch ein Mittel des Zugangs zu anderen Kulturen. Die verschiedenen Kulturen existieren in seiner kulturellen Kompetenz. Sie werden verglichen und kontrastiert.
3 Für welche Zwecke dient der Referenzrahmen?
Der Referenzrahmen soll folgenden Zwecken dienen:
1) der Planung von Sprachlernprogrammen unter Berücksichtigung
-von vorausgegangenem Sprachenlernen und von Vorkenntnissen, besonders an den Schnittstellen zwischen Primarstufe, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II, der Hochschule und dem Bereich der Weiterbildung und der Erwachsenenbildung,
-ihrer Ziele,
-ihrer Inhalte;
2)der Planung von Sprachzertifikaten mit Bezug auf - die Inhalte von Prüfungen,
- die Beurteilungskriterien;
3)der Planung von selbstbestimmtem Lernen, was mit einschliesst,
-das Bewusstsein der Lernenden für den Kenntnisstand, den sie erreicht haben, zu entwickeln;
-dass erreichbare und sinnvolle Lernziele durch die Lernenden selbst festgelegt werden;
-die Auswahl von Lernmaterialien;
-die Anwendung von Instrumenten der Selbstbeurteilung.
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Auf den höheren Niveaustufen des Sprachenlernens muss der Referenzrahmen vor allem die Veränderungen in den Bedürfnissen der Lernenden berücksichtigen.
4 Kommunikative Sprachkompetenz
Kommunikative Sprachkompetenz besteht aus mehreren Komponenten: aus einer linguistischen, einer soziolinguistischen und einer pragmatischen Komponente.
Die linguistischen Kompetenzen bestehen aus lexikalischen, phonologischen und syntaktischen Kenntnissen und Fertigkeiten und aus anderen Bestandteilen des Sprachsystems, unabhängig von soziolinguistisch determinierter Variation und von ihrer pragmatischen Funktion im Sprachgebrauch. Die kognitive Organisation des Wortschatzes und die Speicherung von Redewendungen hängen von kulturellen Eigenschaften der Sprachgemeinschaft ab, in der ein Mensch aufgewachsen und sozialisiert worden ist und in der sein Lernen stattgefunden hat.
Soziolinguistische Kompetenzen sind definiert durch die soziokulturellen Bedingungen der Sprachverwendung. Wegen ihrer starken Abhängigkeit von gesellschaftlichen Konventionen (Höflichkeitsregeln; Normen, die die Beziehungen zwischen den Generationen, Geschlechtern, sozialen Schichten und Gruppen regeln; linguistische Kodierungen bestimmter fundamentaler Rituale im gesellschaftlichen Zusammenleben), wirkt die soziolinguistische Komponente auf alle sprachliche Kommunikation zwischen Vertretern verschiedener Kulturen ein.
Pragmatische Kompetenzen regeln den funktionalen Gebrauch sprachlicher Ressourcen (Ausdruck von Sprachfunktionen, Sprechakte), indem sie auf bestimmte Szenarien zurückgreifen. Sie beinhalten auch die Diskurskompetenz, Kohäsion und Kohärenz sowie die Identifikation von Textsorten und Texttypen, Ironie und Parodie.
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5 Die Gemeinsamen Referenzniveaus
Es gibt viele Niveaustufen fьr die Organisation des Sprachenlernens und für die öffentliche Anerkennung von Sprachkenntnissen. Für Sprachenlernende in Europa steckt wahrscheinlich ein Rahmen von sechs breit angelegten Stufen den relevanten Lernraum angemessen ab. Betrachtet man aber diese sechs Niveaus, merkt man, dass hier die klassische Aufteilung des Lernbereichs in Grund-, Mittelund Oberstufe noch einmal in je eine höhere bzw. niedrigere Stufe aufgefächert wird. Manche der vom Europarat gewählten Bezeichnungen für diese Stufen lassen sich nicht so einfach übersetzen (z. B. Waystage, Vantage). Dieses System stellt eine Unterteilung in drei große Referenzniveaus A, B und C dar (Trim, J.L.M. (1978): Some possible Lines of Development of an Overall Structure for a European Unit Credit Scheme for Foreign Language Learning by Adults. Council of Europe).
A |
B |
C |
Elementare |
Selbständige |
Kompetente |
Sprachverwendung |
Sprachverwendung |
Sprachverwendung |
|
|
C1 |
|
|
|
A1 |
B1 |
(Effective |
(Breakthrough) |
(Threshold)) |
Operational |
|
|
Proficiency) |
|
|
|
A2 |
B2 |
C2 |
(Waystage) |
(Vantage) |
(Mastery) |
|
|
|
6 Gemeinsame Referenzniveaus: Globalskala
Es ist auch wünschenswert, dass die gemeinsamen Referenzpunkte für unterschiedliche Zwecke auf unterschiedliche Weise präsentiert werden. Diese einfache 'globale' Darstellung der gemeinsamen Referenzniveaus macht es leichter,
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das System Nichtfachleuten zu vermitteln, und es kann zugleich Lehrenden und Curriculumplanern Orientierungspunkte geben.
Gemeinsame Referenzniveaus: Globalskala
|
C2 |
Kompetente |
Kann praktisch alles, was er / sie liest oder hört, mühelos verstehen. |
Kann Informationen aus verschiedenen schriftlichen und mündlichen |
|
Sprachverwendung |
Quellen zusammenfassen und dabei Begründungen und Erklärungen |
|
in einer zusammenhängenden Darstellung wiedergeben. Kann sich |
|
spontan, sehr flüssig und genau ausdrücken und auch bei |
|
komplexeren Sachverhalten feinere Bedeutungsnuancen deutlich |
|
machen. |
|
C1 |
|
Kann ein breites Spektrum anspruchsvoller, längerer Texte verstehen |
|
und auch implizite Bedeutungen erfassen. Kann sich spontan und |
|
fliessend ausdrücken, ohne öfter deutlich erkennbar nach Worten |
|
suchen zu müssen. Kann die Sprache im gesellschaftlichen und |
|
beruflichen Leben oder in Ausbildung und Studium wirksam und |
|
flexibel gebrauchen. Kann sich klar, strukturiert und ausführlich zu |
|
komplexen Sachverhalten äußern und dabei verschiedene Mittel zur |
|
Textverknüpfung angemessen verwenden |
Selbständige |
B2 |
Sprachverwendung |
Kann die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten |
|
Themen verstehen; versteht im eigenen Spezialgebiet auch |
|
Fachdiskussionen. Kann sich so spontan und fliessend verständigen, |
|
dass ein normales Gespräch mit Muttersprachlern ohne größere |
|
Anstrengung auf beiden Seiten gut möglich ist. Kann sich zu einem |
|
breiten Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, einen |
|
Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor- |
|
und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben. |
|
B1 |
|
Kann die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache |
|
verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, |
|
Freizeit usw. geht. Kann die meisten Situationen bewältigen, denen |
|
man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet. Kann sich einfach und |
|
zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche |
|
Interessengebiete äußern. Kann über Erfahrungen und Ereignisse |
|
berichten, Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben und zu Plänen |
|
und Ansichten kurze Begründungen oder Erklärungen geben. |
|
|
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